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Gespräch mit Guy Kawasaki

Gespräch mit Guy Kawasaki

Veröffentlicht von Forrest Dylan Bryant am 16 März 2017

Veröffentlicht von Forrest Dylan Bryant am 16 März 2017

Wir haben den Superstar unter den Technologiebotschaftern, Guy Kawasaki, kontaktiert und innerhalb von zwei Minuten eine persönliche Antwort erhalten. Kawasaki gelangte in den 1980ern als Chief Evangelist bei Apple zu Berühmtheit. Heute hat er viele Rollen inne. Er arbeitet für das Design-Unternehmen Canva, ist Markenbotschafter, Unternehmensberater und außerdem ständig in den sozialen Medien präsent. Wie schafft er das alles? Die Antwort scheint zu sein, dass Kawasaki stets aktiv ist und unaufhörlich mit Menschen in Kontakt steht.

Einige Highlights unserer Unterhaltung mit Kawasaki findet ihr weiter unten. Das komplette Gespräch könnt ihr euch hier anhören. (Das Interview beginnt bei Minute 20:30.)

 

Dauer: 39 Minuten | SoundCloud


Du hast so viele Eisen im Feuer. Wie schaffst du das alles?

Ich arbeite ständig. Ich glaube, es gibt Menschen, die viel intelligenter sind als ich, und es gibt auch Menschen, die viel mehr arbeiten als ich. Aber nicht viele sind intelligenter und arbeiten mehr als ich. Das Geheimnis meines Erfolgs ist meine Bereitschaft, einfach alles zu geben. Man könnte sagen, ich genieße das. Und darum bin ich auch erfolgreich. Nicht wegen meines Scharfsinns oder so was in der Art.

Wenn es um meine externen Aufgaben geht, spreche ich am meisten in der Öffentlichkeit. Über Innovation, Unternehmensgeist und Anreize. Ich arbeite viel, aber ich bin Teil von tollen Projekten. Canva ist super. Es ist ein fabelhafter Dienst. Mercedes-Benz ist auch erstklassig. Da kann es ja nicht so schwierig sein, oder?

Wie strukturierst du das Ganze?

Du gehst davon aus, dass ich meinen Tag strukturiere. Was aber ausschlaggebend ist, ist wann, wo, wie, wie oft und wie lange ich meine Kinder herumfahren muss. An ruhigeren Tagen arbeite ich mehr, an hektischen Tagen komme ich zu weniger Arbeit. Mein normaler Tagesablauf beginnt um 7 Uhr. Ich fahre eines meiner Kinder zur Schule, dann gehe in ein Restaurant, antworte auf E-Mails und erledige Dinge in sozialen Medien. Vormittags habe ich dann ein Meeting, danach spiele ich Hockey und anschließend esse ich zu Mittag. Rate mal, was ich während des Essens mache. Genau, E-Mails und soziale Medien. Dann hole ich eines oder zwei meiner Kinder ab. Ich komme nach Hause: E-Mails und soziale Medien. Abendessen: E-Mails und soziale Medien.

Da ist definitiv ein Muster zu erkennen. Es ist ein Kreislauf. Du hast erwähnt, dass Evernote Teil deines Arbeitsablaufes ist. Setzt du das Tool in einer bestimmten Weise ein?

Ich speichere alle meine Reiseinformationen an zwei Orten: TripIt und Evernote. Ich würde es nicht ohne diese beiden schaffen. Jedes Mal, wenn ich Software oder irgendetwas anderes kaufe, sende ich die Quittung oder die Kaufbestätigung und den Code zum Entsperren in mein Evernote-Konto. Ich weiß, dass ich die Info irgendwo in Gmail habe, aber wenn man die Software XYZ von der Firma ABC kauft und man dann nach XYZ sucht, findet Evernote beide Dinge: ABC und XYZ.

Du hast erwähnt, dass du viel auf Reisen bist. Welche Auswirkung hat das auf deine Routine?

Für Gewöhnlich nehme ich den vorletzten Flug nach Hause, da ich nicht riskieren will, den letzten Flug zu buchen, und der dann storniert wird. Da wäre alles bis zum nächsten Morgen verbockt. Ich komme in einer Stadt an, fahre zum Hotel und versuche zu schlafen. Ich stehe auf, halte meine Rede und fahre nach Hause. Im Flugzeug beantworte ich meine E-Mails und arbeite in den sozialen Medien. Wir können hier einen Trend erkennen. Ich bin immer mit E-Mails und sozialen Medien beschäftigt. Das ist mein Leben.

Das ist alles sehr taktisch. Nicht den letzten, sondern den vorletzten Flug nehmen. Ist das typisch für deinen Stil?

Es kennzeichnet mich, da ich ein taktischer und praktischer Mensch bin. Das ist für meine Art von Leben auch notwendig. Ich könnte nicht sagen, dass ich herumsitze und auf meinen Nabel starre, während ich über zukünftige Trends nachsinne.

Ich bin kein Visionär, kein Futurist. Ich bin einfach ein Kämpfer.

Die Demokratisierung scheint ein Thema zu sein, das sich durch deine Arbeit zieht. Du hast dich bei Apple für die Demokratisierung des Computerwesens eingesetzt, bei Canva für die Demokratisierung des Designs und über die Wikimedia Foundation und Selbstveröffentlichungen für die Verbreitung von Wissen. Ich weiß, du sagst, dass du kein Futurist oder Visionär seist, aber ist das nicht der absolute Trend im 21. Jahrhundert? Die Demokratisierung?

Das ist, wofür ich stehe. Ich habe ein persönliches Mantra in meinem Leben: Ich möchte Menschen Kraft geben. Ich möchte sie stark machen, indem ich schreibe, spreche, forsche, berate und was auch immer noch dafür notwendig ist.

Du hast vorher erwähnt, dass dein ganzer Tag ein Kreislauf sei. Die Grenze zwischen deinem privaten und beruflichen Leben ist nicht klar gezogen. Ist das etwas Positives? Also ich meine, funktioniert das für dich? Ist das etwas Gutes für unsere Gesellschaft?

Ich würde sagen: Wer bin ich denn, um das zu beurteilen? Ich denke, es funktioniert für mich, aber es klappt vielleicht für andere nicht. Das trifft aber auf viele Faktoren in unserem Leben zu. Ich habe meinen Weg gefunden. Ich sage nicht, dass das der einzige oder beste Weg ist, aber für mich passt es so. Was soll ich sagen? Evernote ist Teil dieses Wegs, da ich viele Informationen habe und mein Gedächtnis nicht sehr gut ist und dazu immer schlechter wird.

Das kommt vielen bestimmt bekannt vor.

Im Übrigen möchte ich erwähnen, dass diese neue App für iOS wirklich super ist. Evernote ist nun auf der ersten Seite meines iOS-Smartphones und das ist diesem Upgrade zu verdanken.

Du bist sehr produktiv, wenn es um das Teilen von Inhalten geht. Du hast die sozialen Medien schon früh und mit viel Enthusiasmus aufgenommen. Wie wichtig ist das für dich?

Ich mache das nicht zum Spaß. Soziale Medien sind für mich eine Art Mittel zum Zweck. Das Ziel ist, Menschen zu stärken und, um ehrlich zu sein, natürlich auch um Canva, Mercedes-Benz, mein Buch und was auch immer zu bewerben. Es ist ein Mittel zum Zweck. Ich bin nicht auf der Suche nach mehr Freunden. Ich habe so viele Freunde, wie ich haben kann. Ich habe vor Kurzem in einem Artikel gelesen, dass man höchstens 150 Freunde bewältigen kann. Ich bin aber nicht sicher, ob man wirklich mit so vielen zurechtkommt.

Abgesehen davon verwende ich soziale Medien nicht nur für das Werben für Dinge. Ich glaube, dass die Optimierung von sozialen Medien damit zusammenhängt, dass man sich das Recht auf das Promoten erst verdienen muss. Die Frage ist nun: Wie verdient man sich das Recht, etwas in sozialen Medien zu bewerben? Die Antwort ist, dass man etwas Wertvolles anbieten muss.

DU MUSST DIR DAS RECHT, ETWAS ZU BEWERBEN, ERST VERDIENEN.

Es gibt ein gutes Beispiel dafür, wie man sich das Recht auf Werbung verdienen kann: Wikipedia. Auf Wikipedia findet man tolle Informationen. Manchmal sieht man ein Banner oder bekommt eine E-Mail von Jimmy Wales mit einem „Spendenaufruf“. Und wir spenden. Warum ist das so? Weil Wikipedia sich das Recht auf Werbung verdient hat. Bei meiner ganzen Rechnung, meiner Philosophie zu sozialen Medien geht es um das Recht, etwas zu bewerben, indem ich Wert schaffe.

Das gilt für jedes Unternehmen. Wir geben ja niemandem Geld, nur weil uns jemand dazu auffordert. Wir geben unser Geld, weil wir etwas zurückbekommen, dass es wert ist. Etwas, das unser Leben, unseren Tag oder unseren Arbeitsablauf verändert.

Genau. Aber nicht jedes Unternehmen hat diese Theorie so ganz verinnerlicht, würde ich sagen.

Kommen wir nun zum Teilen von Inhalten in sozialen Medien. Dies ist ja auch eine Form des Schreibens und des Sprechens in der Öffentlichkeit. Das sind Dinge, die du relativ viel machst. Du hast 13 Bücher geschrieben und warst früher Kolumnist. Wie schaffst du dir Zeit für das Schreiben?

Das ist das Schwierigste überhaupt. Hier sollte niemand meinem Beispiel folgen. Ich weiß, wie man es eigentlich machen sollte. Man sollte morgens aufstehen, schreiben und dann E-Mails beantworten und in den sozialen Medien aktiv werden. Ich lese Lifehacker. Ich weiß, wie es geht, aber ich mache es einfach nicht so. Bei mir ist es so, dass ich aufwache und mir sage: Heute ist der Tag, an dem ich schreiben werde. Aber davor schaue ich meine E-Mails an, es könnte ja etwas wirklich Dringendes geben. Dann muss ich noch die sozialen Medien durchsehen, es könnte ja etwas wirklich Dringendes geben. Du siehst das Muster, ja?

Das ist zum Teil einfach meine Personalität: Ich engagiere mich zu 100 % oder gar nicht. Ich kenne Leute, die spielen ein- oder zweimal im Jahr Golf. Das könnte ich nie. Ich bin voll dabei, und wenn ich voll dabei bin, bin ich wirklich voll dabei.

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