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Der Unterschied zwischen „Konzentriert arbeiten“ und „Beschäftigt sein“

Der Unterschied zwischen „Konzentriert arbeiten“ und „Beschäftigt sein“

Veröffentlicht von Lolitta Gevorkova am 28 Februar 2017

Veröffentlicht von Lolitta Gevorkova am 28 Februar 2017

Beschäftigt sein und glücklich sein ist nicht das Gleiche. Zwischen Arbeit, Schule, Familie und Sozialleben bleibt nicht viel Zeit für uns selbst. Was können wir dagegen tun? Der Minimalismus ist eine umsetzbare Lösung, um mehr aus unserem Tag herauszuholen. Ihr habt also vielleicht euer Zuhause aufgeräumt, eure Aufgabenliste gekürzt und eventuell sogar eure überfüllten Posteingänge in Angriff genommen. Aber obwohl man all dies und noch viel mehr schafft, fühlt man sich dennoch überfordert und hat noch immer Tausende Dinge zu erledigen. Warum? Weniger ist zwar mehr, wenn es um Gegenstände und digitale Benachrichtigungen geht, aber das alleine bringt euch noch nicht dazu, konzentrierter zu arbeiten und zu leben.

Um herauszufinden, wie man nicht mehr nur beschäftigt ist, sondern konzentriert arbeitet, haben wir uns mit Joshua Fields Millburn von The Minimalists getroffen, einer Initiative, die Menschen dabei unterstützt, mit Weniger ein bedeutsameres Leben zu führen. Joshua erzählt uns, wie er auf den Minimalismus gestoßen ist, worin der Unterschied zwischen konzentriert arbeiten und beschäftigt sein liegt und wie wir uns vergewissern können, dass unsere Aufgaben sinnvoll sind. Nach diesem Gespräch zu sagen, dass wir uns inspiriert fühlen, den Produktivitätsansatz bei Evernote positiv zu verändern, wäre eine glatte Untertreibung.

Die Tücken des Beschäftigtseins

Joshua ist in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und weiß, was es heißt, arm zu sein. Um dem zu entkommen, schnappte er sich nach der Schule sofort eine Stelle im Vertrieb und arbeitete 60 bis 70 Stunden pro Woche. Dabei stieg er schnell auf im Unternehmen. Wer konnte ihm das übel nehmen? Jobs im Vertrieb bringen gutes Geld und das gibt einem immer den Anschein, erfolgreich zu sein. Es dauerte nicht lange, bis Joshua Produktionsleiter einer großen Handelskette wurde. Er wurde ständig befördert und erhielt immer mehr Verantwortung, aber auch seine Auslastung stieg damit, bis dies zu einem Statussymbol und Teil seiner Identität wurde. „Für eine Weile erreichte ich meine sogenannten Ziele, aber ich war nicht wirklich produktiv, wenn es um kreative und bedeutsame Aufgaben ging. Ich erledigte Dinge demonstrativ, aber ich schaffte NICHT WIRKLICH etwas“, erklärt er. Kommt euch bekannt vor?

„Ich erledigte Dinge demonstrativ, aber ich schaffte nicht wirklich etwas.“

Sich konzentrieren und auch konzentriert bleiben

Ihr habt wahrscheinlich schon viel von „Deep Work“ gehört. Es geht dabei um den Zustand der vollen Konzentration, in dem wir uns zu 100 % mit dem beschäftigen, was wir erreichen möchten. Dies ist ein Ziel von vielen von uns, aber es schaffen nur die wenigsten. Wir haben einfach nicht die Zeit dafür. Im Laufe der Jahre hat sich Joshua zu einem Experten in „Deep Work“ entwickelt. Er erledigt jetzt jeden Tag zwar weniger Dinge, aber die Aufgaben, die er sich vornimmt, haben mehr Wert, da er sie nicht mehr gehetzt abarbeitet. Worin liegt das Geheimnis der vollen Konzentration? Wissen, wann man „Nein“ sagen muss. „Wenn man zu allem Ja sagt, heißt das, dass man zu anderen wichtigen Dingen Nein sagen muss. Das Konzept ‚Dinge geregelt kriegen‘ sollte neu definiert werden: Bekommt ihr auch die RICHTIGEN Dinge geregelt?“, führt er aus.

Die Macht eines Neins

Wenn wir uns ehrlich sind, ist dieses „Nein“ keine neue Idee. Das wahre Geheimnis liegt darin, in effektiver und konsistenter Weise Nein zu sagen. Das ist keine einfache Aufgabe, aber sobald wir es schaffen, erkennen wir die Kraft des Neins. Wenn wir alle Anfragen positiv beantworten, „lassen wir zu, dass andere Personen unseren Tag bestimmen. Und hier beginnt die Geschäftigkeit, die Produktivität zu imitieren“. Joshua bietet eine Methode in zwei Schritten, mit der man effektiv Nein sagen kann:

  1. Überlegt euch, was eure Prioritäten und Werte sind, und schreibt sie auf, auch wenn ihr in einer hektischen Umgebung arbeitet. Stellt euch selbst ein paar toughe Fragen wie „Welcher Typ von Person möchte ich werden? Würde mein 40-jähriges Ich zustimmen?“.
  2. Ihr solltet Folgendes verstehen und euch darüber im Klaren sein: „Wenn ihr zu etwas Ja sagt, sagt ihr gleichzeitig Nein zu allem anderen. Wenn ihr etwas ablehnen wollt, solltet ihr wissen, dass ihr dadurch zu etwas anderem Ja sagen könnt.“ Das ist die wahre Macht, die dahintersteckt: Zeit schaffen, um wichtige Dinge in eurem Leben zu erledigen.

„Wenn ihr zu etwas Ja sagt, sagt ihr gleichzeitig Nein zu allem anderen.“

Gemeinsame Werte mit Kollegen finden

Wenn ihr diese Fähigkeiten meistert, ist das zwar toll, aber hat am Arbeitsplatz nur wenig Auswirkungen. Ihr könnt voll konzentriert und effizient alleine arbeiten, aber wenn der Erfolg eures ganzen Teams bewertet wird, ist es der Einsatz der Gruppe, der zählt. Als wir Joshua fragten, wie wir unsere Kollegen an Bord holen und vom minimalistischen Ansatz für das Erledigen von Aufgaben überzeugen, wies er auf eine einzigartige Herangehensweise hin: eine gemeinsame Sprache und ähnliche Werte finden.

Beginnt damit, euren Kollegen die Begriffe näher zu bringen, und fragt euch „Welche neue Sprache kann ich am Arbeitsplatz einführen? Welche Vorteile kann dies für andere haben? Was sind die richtigen Fragen, die ich meinen Kollegen stellen sollte? Was ist das Ergebnis?“, schlägt Joshua vor.

Er fügt hinzu, dass es beim Minimalismus darum geht, Ressourcen bewusst einzusetzen. Eine der größten Herausforderungen, um andere mit einem neuen Arbeitsablauf an Bord zu holen, ist, dass ihr alle die gleichen Ressourcen zur Verfügung habt, aber sie auf verschiedene Arten einsetzt. Eure Kollegen und ihr habt vielleicht verschiedene Ansätze und Ziele, aber wenn ihr ähnliche Werte festlegt und verfolgt, kann alles auf das Gleiche hinauslaufen.

Sinnhaftigkeit der Arbeit hinterfragen

Die meisten von uns kommen jeden Tag ins Büro und hassen ihren Job entweder oder fragen sich, ob unsere Arbeit wirklich bedeutend ist. Wenn ihr das Gefühl kennt, kündigt nicht mit der Hoffnung, sofort etwas zu finden, für das ihr mehr Leidenschaft aufbringen könnt. Aufregung und Leidenschaft sind einfach zu verwechseln, doch es gibt einen Unterschied zwischen den beiden. Wie Joshua erklärt: „Gewillt zu sein, die Arbeit und Stunden zu investieren, die für eure Werte stehen, und über die alltäglichen Aufgaben hinauszugehen, das ist der wahre Lohn. Wahre Leidenschaft geht über Schufterei hinaus.“

Joshua hat eine drastische Entscheidung getroffen, als er seinen Job aufgab und sein Haus verkaufte, um einen minimalistischen Lebensstil zu verfolgen, aber dieser Weg ist nicht für jedermann gedacht. Und das ist auch ok so. Bevor man eine einschneidende Entscheidung trifft, rät Joshua ausdrücklich, sich von all den überflüssigen Dingen im privaten und beruflichen Leben zu befreien und herauszufinden, wo die wahren Werte liegen. Obwohl dies möglicherweise nicht eine absolut erfreuliche Aufgabe ist, stimmt das Ergebnis umso froher: Wir wissen, ob unsere Arbeit bedeutsam ist oder nicht, da wir nur sinnhafte Aufgaben annehmen.

Motiviert für einen Wechsel? Schaut euch den Film Minimalism: A Documentary About the Important Things an und folgt The Minimalists auf Instagram, um inspirierende Ideen für ein bedeutsameres Leben nach dem Motto „Weniger ist mehr“ zu entdecken.

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