Was uns Notizsammlungen über unsere Vergangenheit verraten

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Was uns Notizsammlungen über unsere Vergangenheit verraten

Veröffentlicht von Taylor Pipes am 09 März 2016

Veröffentlicht von Taylor Pipes am 09 März 2016

Seit jeher suchen wir Menschen nach Neuem, sammeln Wissen und möchten Inspiration für andere sein. Zwei der zentralen Hilfsmittel, um dies zu erreichen, sind das Schreiben und Lesen.

Um diese beiden Grundpfeiler zu stärken und zu pflegen, gilt es, unsere Gedanken an einem Ort festzuhalten, an den man jederzeit wieder zurückkehren kann, um die Ideen erneut zu lesen, überprüfen, analysieren und studieren.

Daher können Notizsammlungen auch auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Autor Steven Johnson erklärt das Konzept:

Gelehrte, Laienwissenschaftler, angehende Literaten – so gut wie jeder, der im 17. und 18. Jahrhundert intellektuelle Ambitionen hatte, arbeitete mit großer Wahrscheinlichkeit an einer Art Notizsammlung. Üblicherweise sammelte man in diesen Notizbüchern interessante oder inspirierende Passagen aus seiner Lektüre, um so ein persönliches Nachschlagewerk aus Zitaten zusammenzustellen.

Dieser Ansatz ist auch heute noch gültig und ideal, um uns die Unmengen an digitalen Inhalten zunutze zu machen, mit denen wir konfrontiert werden. Die stetige Weiterentwicklung der Technologie bietet uns flexible Rahmenbedingungen, um Informationen zu erfassen, auszuwerten und zu speichern. Ryan Holliday ist überzeugt, dass diese Notizsammlungen auch in unserem modernen Leben noch eine Daseinsberechtigung haben:

Eine Notizsammlung ist eine zentrale Ressource bzw. ein Aufbewahrungsort für Ideen, Zitate, Anekdoten, Beobachtungen und Informationen, die uns in unserem Leben und Lernprozess begegnen. Sinn der Sammlung ist, Dinge aufzubewahren und zu organisieren, die unsere Aufmerksamkeit erregt haben. Sie können später in unserem Leben, unserer Arbeit, beim Schreiben, Sprechen oder in anderen Bereichen, in denen wir aktiv sind, von Nutzen sein.

Notizsammlungen im historischen Kontext

Es gibt zahlreiche historische Persönlichkeiten und literarische Vordenker, die die Vorteile von Notizsammlungen erkannten und darin wichtige Details ihrer Umwelt erfassten und festhielten.

Hier findest du einige Beispiele zu historischen Notizsammlungen:

  • Carl von Linné setzte Notizsammlungen ein, um die Taxonomie in „Systema Naturae“ zu organisieren und katalogisieren, die als Vorläufer der binären Nomenklatur und Klassifizierung der Arten gilt.
  • Julius Caesar hat seine Lektüren als Lebenswerk auf über 1.200 Seiten festgehalten.
  • Im 17. Jahrhundert wurde von Studenten in Harvard und Oxford erwartet, eigene Notizsammlungen zu unterhalten.
  • Bill Gates spricht in seinem Blog über seine privaten Lesegewohnheiten.

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Mit Notizsammlungen Informationen verwalten

Die Beliebtheit dieser Notizsammlungen erreichte ihren Höhepunkt im 16. Jahrhundert, als die massenhafte Verbreitung von Informationen eine ganze Generation in Ekstase versetzte.

So wie Mobilgeräte unseren Umgang mit Inhalten verändert haben, ermöglichte die Druckerpresse damals plötzlich die Verfügbarkeit jeder Art von religiösen Veröffentlichungen, Zeitschriften und Satireblättern für die breite Öffentlichkeit. Informationen waren nun wie nie zuvor zugänglich. Diese Entwicklung war auch etwas angsteinflößend. Das war nicht nur auf die schwindelerregende Themenvielfalt, sondern auch auf die Informationsflut allgemein zurückzuführen. Noch nie war so viel schriftliches Wissen für so viele Menschen verfügbar. Es war eine Zeit des Informationsüberflusses.

Die Lage stabilisierte sich, als sich Menschen mit unterschiedlichem Bildungstand und verschiedener sozialer Herkunft ein System zur Verwaltung dieses Informationsstroms ausdachten. Die Lösung lag in der Sammlung von Notizen. Durch die Erfindung des Drucks wurden Papier und damit Notizbücher allgemein verfügbar und dienten als greifbare Auffangbecken, um Wissen und Ideen zu sammeln. Für Selbstreflexion und lebenslanges Lernen gab es nun ein Hilfsmittel.

Ordnung von Informationen

Erasmus schrieb 1512 ein Lehrbuch zum Erstellen von Notizsammlungen. In De Copia stellt er eine Vorlage dafür vor. Erasmus argumentierte, dass man so viele Autoren wie möglich lesen und dies festhalten sollte, wenn man als belesen gelten möchte. Er führte aus: „Mit dieser Methode kann man außerdem das Gelesene tiefer verinnerlichen und sich daran gewöhnen, die Reichhaltigkeit der Lektüre zu nutzen.“

Der Philosoph John Locke baute die Bedeutung von Notizsammlungen weiter aus. Er sah darin ein Hilfsmittel für den selektiven Wissenserwerb unter Einsatz eines hochorganisierten Systems. Locke begann mit seiner Notizsammlung 1652 während seines Studiums in Oxford. In seinem Buch A New Method of Making Common-Place Books (1706) umreißt er, warum die Ordnung von Information wichtig ist:

  1. Verstehen, warum wir Informationen sammeln
  2. Sich verpflichten, sich an den ausgewählten Inhalt zu erinnern

Locke vertritt die Ansicht, dass Studenten, die Notizsammlungen einsetzen, sich wichtige Informationen merken können, wenn gezielt eine einheitliche Ordnung beibehalten wird.

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Informationen, die für Generationen in Erinnerung behalten werden

Während der Aufklärung waren Notizsammlungen weit verbreitet. Viele nutzten das System, um ein eigenes privates Informationsnetzwerk zu kreieren, zu kultivieren und auszubauen. Je nach Bedarf konnten sie ihre Notizbücher durchblättern – und lernten dabei die Notizen auswendig – und die gesammelten Lebensweisheiten anwenden. Das perfekte Mittel, um Wissen zu pflegen und zu verwalten.

Die besten Notizsammlungen waren so geschätzt, dass sie als Mitgift an die nächsten Generationen weitergegeben wurden. In ihrer reinsten Form war eine Notizsammlung eine sich stetig erweiternde Enzyklopädie in Form eines Notizbuchs. Diese Wissenssammlungen wurden früher so verwendet, wie wir heute im Internet surfen. Sie wurden nicht von Anfang bis Ende gelesen, sondern es wurden die Informationen herausgesucht, die für jeweiligen Studien und Interessen passend waren.

Notizsammlungen in der heutigen Zeit

Heutzutage werden wir mit Informationen bombardiert, von denen viele weder tiefgreifend noch qualitativ hochwertig sind. Obwohl wir wie nie zuvor Apps, Mobilgeräte, Produkte, Dienste und Tools einsetzen können, um unsere Aufgaben zu erledigen, fühlen sich viele Menschen ausgeschlossener und in der digitalen Welt verlorener denn je. Wir befinden uns wieder in einer Zeit des Informationsüberflusses.

Die Methode kann etwas veraltet scheinen, doch das Sammeln von Notizen hat sich unter digitalen Vorreitern zur modernen Lösung für die Bewältigung der Informationsflut entwickelt. Nach Buchdruck, Schreibmaschinen und Schreiben per Hand wird nun das Sammeln von Notizen von einer neuen kreativen Klasse von Autoren und Experten im Wissensmanagement eingesetzt, um tiefgreifende Verbindungen in ihrer Arbeit und ihrem Leben zu erkennen.

So funktioniert es:

1. Mobile Inspiration verwalten

Devon Henderson, eine Grafikdesignerin aus Indiana (USA), nutzt Evernote hauptsächlich für die Sammlung von Notizen. Sie nutzt alle inspirierenden Eindrücke um sie herum dazu, Ideen neu zu beleben und ihrer Arbeit eine neue Dimension zu verleihen.

„Ich glaube, es ist wichtig, Dinge ohne offensichtlichen Bezug miteinander zu verbinden. Dafür steht schlussendlich die Kreativität. Dass ich alle möglichen Elemente in Evernote speichern kann, inspiriert mich, neue Projekte zu beginnen und neue Richtungen einzuschlagen, indem ich Ideen aus allen Bereichen meines Lebens verknüpfe und zusammenbringe.“

Devon verwendet eine einfache Struktur aus vier Notizbüchern, wobei eines ausschließlich auf die hier beschriebene Sammlung von Notizen ausgerichtet ist. Darin erfasst sie Informationen, die ihren Lernwillen beeinflussen.

„Alle Informationen, die ich in Zusammenhang mit Lernen, Weiterbildung und Wissen in Evernote speichere, kommen direkt in meine Notizsammlung“, erklärt Devon. „Ich sehe die Sammlung dann oft durch, schaue mir neue Dinge an, die ich gesammelt habe, finde Zitate wieder, die mir gefallen haben und die ich gespeichert habe, und lese mir Notizen durch, die ich für Bücher oder Artikel gemacht habe.“

Devon kann neue Inhalte von überall aus hinzufügen und mit ihrem Schlagwortsystem legt sie fest, wie ihre Ideen eingeordnet werden sollen.

„Ich kann Dinge, die ich über mein Mobiltelefon gespeichert habe, ganz einfach finden. Dazu nutze ich zuerst Schlagwörter, um die Suche einzugrenzen, und dann sehe ich alles durch. Ich schaue mir meine Inhalte gerne dutzende Male an, so erinnere ich mich immer wieder, dass ich sie habe. Wenn ich ein neues Designprojekt beginne, kann ich dafür ein vorübergehendes Schlagwort erstellen. Das nutze ich dann für inspirierende Ideen aus Dribbble, Zitate, die die Essenz des Projekts beschreiben, oder Screenshots von Farbpaletten“, führt Devon aus.

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Zusätzlich zu ihrer digitalen Sammlung hat sie auch immer ein physisches Notizbuch mit dabei, in dem sie ihre Ideen festhält. Die komplexesten und interessantesten Konzepte, Ideen und Zitate notiert sie also per Hand.

Sie verknüpft ihr analoges und digitales System mithilfe von Scannable miteinander. Sonntags geht sie ihr Material dann durch. Das ist extrem wichtig, um eine mentale Verbindung zu den Inhalten aufzubauen, die man gesammelt hat.

„Ich sehe mir auch regelmäßig meine digitalen Informationen in Evernote durch. Sonntags morgens stöbere ich beim Kaffeetrinken in den neuen Notizen“, fügt Devon hinzu.

2. Du bist, was du liest

Bei einer Notizsammlung dreht es sich hauptsächlich um das Lesen.
Diana Kimball, Produktleiterin bei Quip, hat ein System entwickelt, um digitale Lektüre mithilfe einer Kombination aus Amazon Kindle, Clippings.io, IFTTT und Evernote zu verbinden. Mit diesen Diensten können Kommentare, Clips und Hervorhebungen abgerufen werden. Wichtige Dinge können jederzeit und überall gespeichert, mit Schlagwörtern versehen, kommentiert und analysiert werden.

3. Ein Ort zum Schreiben

Für den Autor und Experten in papierlosen Ansätzen Jamie Todd Rubin sind Notizsammlungen ideal, um eine detaillierte Literaturgeschichte aufzuzeichnen, die dann beim Schreiben und auch in anderen Lebensbereichen angewendet werden kann.

Er kam zum ersten Mal mit Notizsammlungen in Berührung, als er die Biografie von Thomas Jefferson las. Das System spiegelte Jamies interaktive Lesegewohnheiten wieder, da handgeschriebene Notizen und digitale Kommentare kombiniert werden. Seine Lektüre und die Verbindungen zum Schreiben haben neue Höhen erreicht.

„Ich schreibe ohne schlechtes Gewissen in meine Bücher. Ich hebe Passagen hervor und mache Notizen an den Rändern. So wird das Buch erst zu meinem Buch. Die Gedanken des Autors und meine Reaktionen sind auf einer Seite zu finden. Meine Notizsammlungen in Evernote nutze ich am häufigsten, um diese Anmerkungen, Zitate und Gedanken zu erfassen. Meine Sammlung ist eine Art Literaturtagebuch über Bücher, die ich bisher gelesen habe“, erklärt Jamie.

Die Zitate, Notizen an den Rändern sowie die Anmerkungen sind die Basis eines Notizbuchs, das Jamie als Notizsammlung verwendet. Er sieht diese Elemente als eine Art Tagebuch an, daher sortiert er die Notizen chronologisch.

Die Inhalte seiner Notizsammlung sind so vielseitig wie die Bücher und Tools, die er gerade einsetzt. Folgendes ist zum Beispiel in seiner Sammlung zu finden:

  • Foto einer markierten Passage in einem Buch
  • Screenshot einer markierten Passage auf einem Kindle
  • Manuell eingegebene Notiz zu einem Zitat, das sein Interesse geweckt hat

„Manchmal nutze ich die Sammlung auch, um meine Kreativität anzukurbeln. Ich stöbere dann im Notizbuch mit der Sammlung und sehe all diese Dinge, die ich erfasst habe. Vieles davon hatte ich bereits vergessen“, erzählt Jamie.

„Meine Notizen in Evernote vervollständigen ein Bild von mir, das zusammen mit allen anderen Informationen eine ziemlich genaue Vorstellung einer Person im 21. Jahrhundert ermöglicht. Ich denke oft darüber nach, wie es wäre, wenn meine Kinder in 30 oder 40 Jahren durchsehen würden, was ich hier zusammentrage. Sie könnten durch die Informationen stöbern und möglicherweise etwas über mich erfahren, das sie noch nicht wussten.“

Für das ganze Leben konzipiert

Das Leben ist dein größtes Projekt.

In deinem Leben wirst Karriere machen oder verschiedene Jobs und Stellen haben. Vielleicht auch eine Familie gründen. Du wirst außergewöhnliche Menschen treffen, atemberaubende Orte besuchen und Erinnerungen für dein ganzes Leben sammeln. Und mit jedem Schritt auf deinem Weg wirst du Dinge lernen, lesen, aufschreiben und verinnerlichen.

Es gibt kein optimaleres System als eine Notizsammlung für die Form, in der wir lernen. Stell dir vor, was die größten und smartesten Befürworter dieses Systems erreichen könnten, wenn ihnen die Technologie zur Verfügung stehen würde, die uns zur Verfügung steht.

Sammelst du Notizen in dieser Form? Wenn ja, erzähle uns deine Geschichte über Twitter.

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